Rheinfallspezialist Werner Singer aus Uhwiesen (Radio Munot, 21. 4. 07) Menschliches vom Wasserwunder — kleine, feine Geschichten rund um den Rheinfall (Der Landbote, 23. 4. 07) Begleitet vom Tosen des Rheinfalls und den Geschichten aus Singers Mund vergeht die Zeit im Fluge (Andelfinger Zeitung, 23. 4. 07) Der Rheinfall hat einen neuen Erzähler (Schaffhauser Nachrichten, 25. 4. 07)
Einzigartig wie der Rheinfall ist in der Stadt Schaffhausen eine weitere Attraktion mit internationaler Ausstrahlung entstanden: die Hallen für neue Kunst. In den sich Hallen nennen dürfenden Räumen einer ehemaligen Kammgarnfabrik haben die Werke von zwölf Künstlern, die seit den 60er und 70er Jahren klangvolle Namen tragen, ein bleibendes Domizil gefunden.
Wobei das neue an dieser Kunst ihre „Raumbezogenheit“ ist. Es handelt sich also weniger um Objekte als um Installationen im Raum, Situationen, welche den Betrachter aufnehmen. Wer möchte da nicht an das Rheinfallbecken mit seinem erfahrbaren Magnetismus denken! Diese Kunst sei ferner dafür gemacht, im Besucher eine Erfahrung, wenn nicht gar eine Selbsterfahrung, und ein Sinnenerlebnis auszulösen. Der Besucher kommt also als Suchender in diese Hallen. Da sehen wir doch gerade die Pilgerströme zum Rheinfall vor unserem Auge! Die Aussage jener Kunstwerke sei des weiteren irritierend, teilweise rätselhaft, vielschichtig und schwer zu fassen. Ein solches Urteil kennen wir in ähnlichen Worten auch über den Rheinfall aus vielen Zeugnissen, die uns seine Besucher über die Jahrhunderte hinterlassen haben. „Land art“ heisst die eine in den Hallen gezeigte Kunstrichtung (Richard Long u. a.). Hier wird in der Natur Vorgefundenes durch menschliche Hand ausgerichtet. Ganz wie die Rheinfallfelsen, die einst mit einer Zementplombe stabilisiert wurden. Und verdient nicht unser altvertrauter, vielgemalter und vielgeknipster Rheinfall als ein wahrer Künstlermagnet den Namen Land art!
Wenn Sie also nach Ihrem Rheinfallbesuch Ihre Suche in neuer, aber ebenfalls erhabener Raumumgebung fortsetzen wollen, wenn Sie sinnlich angesprochen sein wollen und die Vieldeutigkeit der dortigen Kunstbotschaft nicht scheuen, so geben Sie den Hallen für neue Kunst die Ehre! www.modern-art.ch
Wer heute privilegiert ist, kann sich erlauben, ohne Handy durch Leben zu spazieren. Wer aber zu den Super-Privilegierten gehört, der verzichtet darüber hinaus auf eine Uhr. Die Uhrenindustrie ist in diese Paradoxie hineingestellt und wir dürfen mit Spannung beobachten, wie sie diese meistert. Der ideale Ort einer solchen Beobachtung ist das neu eröffnete Uhrenmuseum der IWC – International Watch Co. In Schaffhausen. Als Besucher lernen wir: Unser Leben als Gefangene der Zeit wird erträglich durch schweres Gold und technische Spielereien: Taucheruhren für Wasserscheue, Fliegeruhren für Bodenständige. Erstaunlich immer wieder, dass alles schon einmal dagewesen ist. So zeigt die historische Ausstellung Taschenuhren aus den achtzehnhundertachtziger Jahren mit Digitalanzeige! Nebenan ein Uhrenshop, Preise von CHF 3'850.- bis CHF 260'000.- www.iwc.com
Bild: Tollkühne Rheinfallbefahrer. Befahrung des Zürcher Falles im Duett
Es gab eine längst verwehte, empfindsame Zeit, als ein Rheinfallbesuch noch ein transzendentes Erlebnis war. Seine Besucher hofften auf eine ganz persönliche Botschaft aus der entfesselten Urgewalt. Seither ist dem Rheinfallbecken manches angetan worden: Zwei Bahnlinien durchschneiden es, Hochhäuser drücken es nieder, Schloss Laufen wurde unterhöhlt, eine Kläranlage entwässert hier, usw. Von den geplanten, aber nicht ausgeführten Grosstaten des Industriezeitalters gar nicht zu reden! Die todesmutigen Rheinfallbefahrer der letzten Jahre haben uns nun zweierlei vorgeführt: Erstens, der Rheinfall ist nur eine Wasserrutsche. Damit ist seine Entweihung auf die Spitze getrieben. Zweitens, der Rheinfall ist ein Ort, sich selbst auf die Probe zu stellen und zu erfahren. Der Rheinfall ein Ort der Selbsterfahrung? Damit schliesst sich der Kreis. Stehen wir vor einer Wiederverzauberung des Rheinfalls? Die Tourismusförderer und Rheinfallverbesserer unserer Tage sollten jedenfalls bemüht sein, seine zauberische Ausstrahlung nicht durch Event- und Erlebnistourismus erneut zu zerstören.